Das fremde Gewissen

Von David Hesse, Washington

Dan Fagin hat Basel besucht, vor zwei Wochen ist er für sein Buch «Toms River» mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet worden.
Es hat ihm in Basel nicht gefallen. Sicher, das 1.-August-Feuerwerk über dem Rhein sei präzis choreografiert gewesen, die Bratwurst heiss und das Bier schön schaumig. Doch gerade die unbeschwerte Wohlgenährtheit hat den Gast aus den USA gestört.

«Basels postindustrieller Wohlstand baut auf Produkte, die heute weit weg in viel ärmeren Ländern hergestellt werden» 

Fagin beschreibt den langen Kampf der Bewohner Toms River um Aufklärung. Die Presse nennt das Buch «einen neuen Klassiker des Wissenschaftsjournalismus», 1995 wurde die durch die Industrie verursachte Krebs­häufungen amtlich festgestellt, es kommt zu einer Einigung mit Ciba- Geigy. Die Betroffenen erhalten eine Entschädigung.

Heute ist die Ciba- Fabrik in Toms River zugesperrt, doch die Machenschaften der Chemiemultis gehen weiter, sagt Fagin. In China stünden heute ganze Krebsdörfer, in denen die Menschen krank würden im Namen des Profits. Die Schweizer, findet Fagin, müsse dies mehr kümmern.

Ein gut besuchter Basler Marktplatz schien ihm bei einem Besuch nur makaber:

«In Basel gibt es doch viele Leute, die auf solche Lebensmittel verzichten könnten, die mit Pestiziden gespritzt sind. Die Pestizide werden nun von der Schweizer Chemie in weit entfernten Fabriken z.B. in Asien hergestellt.» In Basel sei die giftige Realität der Industrie verschwunden und der Geschäftszentrale der Konzerne gewichen, doch die Geschäfte wäre immer noch die Gleichen.

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Pulitzerpreistraeger-bezeichnet-Basler-Reichtum-als-giftig/story/28338487