Ein Ra(d)t im System

Der Abgang von David Jungbluth aus der saarländischen Justiz ist nicht das, was man als leise bezeichnen könnte. Im Gegenteil: Es ist ein Abgang mit einem lauten Knall. Der heute 36-jährige Jungbluth war beinahe 2 Jahre in seinem Traumberuf tätig. Er war Staatsanwalt, dann Richter. Doch die Zustände, die er, laut seinen Schilderungen, an der Saar erlebt hat, ließen für ihn nur einen Schluss zu: Er muss raus aus diesem System, in dem die strukturellen Verwerfungen so groß geworden sind, dass er, als Einzelner, als Rad in diesem System, nichts von innen heraus tun konnte, um die Situation zu verbessern.

David Jungbluth: „Es ist also so, dass aufgrund der umfassenden Verfahrenszahl, die den einzelnen Dezernenten, also Richter bzw. Staatsanwalt, trifft, mehr oder weniger keine Möglichkeit verbleibt, sich mit den jeweiligen Verfahren angemessen zu befassen. Darauf wird aber, so wurde es mir zumindest bei der Staatsanwaltschaft vom ersten Tag an vermittelt, auch kein besonders großer Wert gelegt. Es geht letztendlich nur darum, die Akte – im wahrsten Sinne des Wortes – so schnell wie möglich vom Tisch und das Verfahren schnellstmöglich abgeschlossen zu haben, damit am Ende des Monats die persönliche Statistik stimmt.“ Weiterlesen…
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42521/1.html

Bitte nicht falsch verstehen, ich finde das auch falsch… David Jungbluth, hätte sich seine Arbeit als Glaubenssache auch anderst zurechtlegen können, so wie viele seiner Kollegen. Die heutige Rechtsprechung ist teilweise aus der religiösen Inquisition entstanden, und um Absolution zu erhalten war es damals und irgendwie auch heute, nötig den Geistlichen einen Schutzbrief abzukaufen. Das System gibt also einerseits den Gesetzgeber aus, andererseits aber will es sich finanzieren. Wo früher nur ein dümmlicher Bauer als Spender vorhanden, stehen heute vor Gericht immer zwei Parteien sozusagen eine Gute und eine Böse (z.B. Staatsanwalt). Da der Staatsanwalt ein Mann aus dem eigenen System ist, und auch der Verteidiger, ein gelernter Jurist ist, steht der Gesetzgeber als immer mit einem Bein auf der Seite des Bösen, dieser sollte dann den Schaden bezahlen, was er oft nicht kann! Und er zahlt auch nicht wenn der Staatsanwalt bzw der Staat wegen unverrichteter Dinge keinen Gewinn für den Gesetzgeber erzielt. Man müsste sich ja sonst z.B. wegen Sozialmissbrauch selbst anzeigen, und da ja immer die gleichen die Verlierer des Prozesses sind, ist der Gesetzgeber als geistliche Stütze ja nicht für den fehlenden bzw nicht gefundenen Straftäter (Politiker) verantwortlich. Da sich unsere Wertvorstellungen unterscheiden, wird sich ein Gericht, bei seiner Urteilsfindung, solange es für eine von beiden Parteien entscheidet, immer auf der Seite des Gewinners stehen. Der Gewinner oder meist Verlierer am Gericht, der allenfalls am Gesetz etwas ändern wollte/ könnte, befindet sich ja nicht in der Position oder ist zumindest weit weg von der Möglichkeit, dem Richter die notwendige Änderung vorzuschlagen. Etwas was bei der normalen Arbeit, also durch Fehler lernen, eigentlich etwas ganz normales ist…