Zum Sündenbock

Armut und Krankheit gehen Hand in Hand

Ärmere Menschen sind hierzulande häufiger und länger krank. Aus Scham gehen sie nicht zum Arzt, erklärte Martin Schenk von der Armutskonferenz bei einem Mediengespräch in Wien.

Menschen in Haushalten unter der Armutsgrenze weisen einen dreimal schlechteren Gesundheitszustand auf als Personen mit hohen Einkommen. Auch sind sie laut Statistik Austria (2014) doppelt so oft krank. Die Armutskonferenz, ein Netzwerk aus 40 sozialen Organisationen, will daher mit einer Studie das Bewusstsein in der Gesellschaft für Armut schärfen. Gefordert wird etwa ein Pensionsvorschuss…
Quelle: http://www.kleinezeitung.at/s/politik/aussenpolitik/4801647/Osterreich_Armut-und-Krankheit-gehen-Hand-in-Hand-

…und wie wird man Geistheiler? Bei der Befragung von Indianern der Navajo- Nation gaben 72 % der Einwohner an solche Konsultationen zu besuchen:

„The doctor give me pills for my body, the medicine man give me songs for my spirit.“

Geistheilung ist ein Oberbegriff für religiöse oder magische Behandlungsmethoden wie Handauflegen, die sich nicht in die wissenschaftliche Medizin oder die klassische Psychotherapie einordnen lassen.

Religiös- magische Vorstellungen über die heilende Wirkung von göttlichen oder anderen übernatürlichen Kräften lassen sich bis in die Frühzeit der Medizingeschichte zurückverfolgen

Auch Einwanderer aus traditionsverbundenen Kulturen, die in diese westliche Welt gut integriert sind, greifen nicht selten im Krankheitsfall auf traditionelle Heilmethoden aus ihrer früheren Heimat zurück. Bei von Assion u. a. (1999) befragten 55 in Deutschland lebenden psychiatrischen Patienten mit türkischer Abstammung gaben ⅔ der Personen Kontakte zu einem oder mehreren Hocas (magische Heiler) an.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Geistheilung

Warum kann ausserhalb von moderner Psychologie bzw. Psychiatrie eine Behandlung der menschlichen Seele auch noch Sinn machen?

  • Behandlungen durch Spezialisten kosten viel Geld, besonders einkommensschwache Menschen gehen darum nicht mehr zu ihrem Arzt -. aber dreht sich hier die Spirale auch zurück?
Geste der Segnung
Grigori Rasputin (um 1914-16)

Grigori Jefimowitsch Rasputin (russisch Григорий Ефимович Распутин, wiss. Transliteration Grigórij Efímovič Raspútin; * 9. Januarjul./ 21. Januar 1869greg. in Pokrowskoje, Gouvernement Tobolsk; † 17. Dezemberjul./ 30. Dezember 1916greg. in Petrograd) war ein russischer Wanderprediger, dem Erfolge als Geistheiler nachgesagt wurden.

Rasputin wurde am 9. Januarjul./ 21. Januar 1869greg. im Dorf Pokrowskoje am linken Ufer der Tura, 80 km östlich der Stadt Tjumen in Westsibirien als Bauernsohn geboren. Im Alter von 17 Jahren begann er eine fünfzehnjährige Zeit als Pilger, um Näheres über Religion zu lernen. Ab 1901 blieb er einige Zeit in seinem Heimatdorf und machte sich dann 1903 nach St. Petersburg auf.

Berühmt wurde Rasputin, weil er an den Zarenhof gerufen wurde, in der Hoffnung, die Blutungen des an Hämophilie leidenden Zarensohns Alexei durch Gebet zum Stillstand zu bringen. Zeitzeugen, wie auch Ärzte und Kritiker, bestätigten, dass Rasputin einen damals unerklärlichen Einfluss auf den Zarensohn und dessen lebensgefährliche Blutungen besaß. Diese Fähigkeit Rasputins brachte die Zarin Alexandra zur Überzeugung, dass Rasputin ein Heiliger war, der ihr von Gott geschickt worden sei, um ihren Sohn zu beschützen. Für die Zarin war die Ankunft Rasputins die Antwort Gottes auf ihre leidenschaftlichen Gebete. Weiterlesen…


Während des Ersten Weltkrieges zeigte sich nach anfänglichen militärischen Erfolgen, dass das damalige Russland mit seinem unmodernen Militär, schwach ausgebauten Eisenbahnsystem und seinem gering entwickelten Industriesektor der deutschen Militärmacht nicht gewachsen war. Bei der Suche nach Schuldigen für die militärischen Niederlagen wurde Rasputin zum Sündenbock für die katastrophale Lage des russischen Reiches, obwohl sein politischer Einfluss in Wirklichkeit sehr gering war.

Am 17. Dezember 1916 wurde Rasputin unter Führung von engen Verwandten des Zaren Nikolaus II. ermordet.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Grigori_Jefimowitsch_Rasputin

Rasputin findet mehrere Male auch Erwähnung in Günter Grass Romans Die Blechtrommel, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Blechtrommel

Bei Oskars wahrscheinlich wichtigster Entscheidung seines Lebens, hat er die Wahl zwischen Goethe und Rasputin abzuwägen:
Während Oskar in seine Kleider und Schuhe schlüpfte, sich seine Trommel umhängte, die Stöcke hinter den Hosenträgern versorgte, verhandelte er mit den Göttern Dionysus und Apollo gleichzeitig.
Während mir der Gott des Rausches riet, entweder überhaupt keinen Lesestoff und wenn doch, dann nur einen Stapel Rasputin mitzunehmen, wollte mir der überschlaue und allzu vernünftige Apollo die Reise nach Frankreich ganz und gar ausreden, bestand jedoch, als er merkte, dass Oskar zur Reise entschlossen war, auf eben lückenlosen Reisegepäck; jedes wohlanständigen Gähnen, das Goethe von sich gegeben hatte, musst eich mitnehmen, nahm aber aus Trotz auch weil ich wusste, dass die Wahlverwandschaften nicht alle Probleme geschlechtlicher Art zu lösen vermochten, auch Rasputin und seine nackte, dennoch schwarz bestrumpfte Frauenwelt an mich.

Und dann unter Fieber:

Ach, Vaterunser, wir wissen ja, dass Du viel Kleingeld hast, dass Du uns gerne Karusell fahren lässt, dass es Dir Spass macht, uns das Runde dieser Welt zu beweisen. Steck bitte deine Börse ein, sag stop, halt, fertig, Feierabend, basta aussteigen, Ladenschluss, stoi –  es schwindelt uns armen Kinderchen, man hat uns viertausend, nach Käsemark an die Weichsel gebracht, doch wir kommen nicht rüber weil Dein Karrusell, Dein Karusell…
Aber der liebe Gott, Vaterunser, Karusellbesitzer lächelte, wie es im Buche steht, liess abermals eine Münze aus seiner Börse hüpfen damit es die viertausend Kleinkinderchen, hinterman* Oskar, in Feuerwehrautos und ausgehöhlten Schwänen, auf Katzen, Hunden, Säuen, und Hirschen im Kreise herum trug, und jedesmal, wenn mich ein Hirsch – ich glaube heute noch, dass ich auf einem Hirsch sass – an unserem Vaterunser und Karusselbesitzer vorbeitrug, bot er ein anderes  Gesicht: das war Rsaputin, der die Münze für die nächste Rundfahrt lachend mit seinem Gesundbeterzähnen biss; dass war Dichterfürst Goethe, der aus feinbesticktem Beutelchen Münzen lockte, die auf den Vorderseiten alle sein geprägtes Vaterunserprofil zeigten, und wieder Rasputin rauschhaft, danach Goethe gemässigt. Ein bisschen Wahnsinn mit Rasputin, dannach aus Vernunftsgründen Goethe. Die Extremisten um Rasputin, die Kräfte der Ordnung um Goethe. Die Masse, Aufruhr um Rasputin, Kalendersprüche nach Goethe …

Insebondere durch diesen Vorfall hatte Oskars Wachstum wieder eingesetzt. Seine Trommel liess er im Grab zurück.

Psychoanalyse, im Sinne von „Untersuchung, Enträtselung der Seele.
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde vom Wiener Neurologen Sigmund Freud – anfangs in intensiver Zusammenarbeit mit dem bekannten Wiener Arzt und Begründer der kathartischen Methode, Josef Breuer –die Psychoanalyse entwickelt. Die Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche und auch dem Unbewussten ist freilich älter und kann bis zur Antiken Philosophie zurückverfolgt werden.

Bereit zum Selbstversuch?!

Sigmund Freud unterschied zuerst das „Bewusste“ vom größeren und einflussreicheren „Unbewussten“ und legte dar, wie das Unbewusste das Bewusstsein beeinflusst. In der zweiten Topik, die er vor allem in seiner Schrift Das Ich und das Es (1923) entwickelte, führte Freud erstmals seine Theorie über das Es, das Ich und das Über-Ich näher aus. Den Begriff Es übernahm Freud von dem Arzt und Wegbereiter der Psychosomatik Georg Groddeck, allerdings mit einer veränderten Bedeutung.

Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass verschiedene Annahmen der Psychoanalyse empirisch nicht bestätigt werden konnten – [was ja auch gut zu den Geistheilungen durch Religion oder einen Medizinmann passt], beispielsweise der Ödipuskomplex als zentrales Modell der Entwicklungskrise der Kindheit und der kindlichen Sexualität. Die Existenz eines Todestriebs, den der späte Freud 1920 postulierte, wurde noch zu Freuds Lebzeiten von einigen (marxistischen) Psychoanalytikern bestritten oder stark angezweifelt.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud

Sorgen um Oskar?

Wenn das Kind seine ersten Phantasien für die noch zu entwickelnde Methodik des Erwachsenen nach aussen trägt, bezieht es stark die eigene Familie mit in diese Fragen bzw. benötigten Antworten mit ein.
Die Charakteren der Eltern werden also am stärksten ins Gedächnis gerufen, vorallem solche Eindrücke, die man persönlich seinen eigenen Gefühlen zuordnen kann. So zum Beispiel wenn das Kind neue körperliche Vergleiche zum Erwachsenen macht, diese zu seinen eigenen Überlegungen hinzuzieht (stillen zähle ich darum nicht dazu!), und wenn es sich als schwächer, oder unerfahrener erkennt, bzw. dann versucht diesen vermuteten Unterschied zu bewerten.
Der richtige Selbstwert kann sich jedoch durch die Selbsteinschätzung nur bedingt einstellen, die Eltern des Kindes die sich im Sinne eines Vorbildes verhalten, und vermutlich sich selber ja auch als zweite Generation, in einer Rolle zwischen selber Kind sein und beobachtet haben – versuchen dass andere mitspielen, nehmen weiter die eigene Erfahrung als eine Geistliche Aufgabe an – eine gute Tochter oder Mutter oder ein guter Sohn oder Vater zu sein!
Mit diesen Fragen und Antwortden und guten und schlechten Tagen gehen wir Menschen durchs Leben, werden zu dem was wir sein müssen, oder machen dass andere sind was sie sind – aber wird jemand aus diesem Rahmen geworfen wird man zum Sündenbock! Dann hilft uns nur der Arzt oder Apotheker unseres Vertrauens…

Was weiss die Wikipedia?

Rasputin, auch geführt unter dem Titel Rasputin, der Dämon der Frauen, war der erste Tonfilm, der sich dem russischen Mönch und Wunderheiler thematisch annahm. Die Außenaufnahmen fanden im Dezember 1931 statt, die Atelieraufnahmen begannen am 20. Januar 1932. Noch am selben Tag, an dem Rasputin die Zensur passierte, wurde der Film in Berlin (Capitol) uraufgeführt (19. Februar 1932). Nach dem Krieg wurde der Film am 16. Dezember 1986 im zweiten Programm des DDR-Fernsehens erstmals gezeigt. Zuvor hatten ebenfalls nur die Deutschen einen Rasputin-Film („Rasputins Liebesabenteuer“), einen Stummfilm von und mit Exilrussen, hergestellt.

Unmittelbar nach Ende der Dreharbeiten begann auch Hollywood einen Rasputin-Stoff zu produzieren: Rasputin: Der Dämon Rußlands.

Wie später bei Rasputin: Der Dämon Rußlands kam es auch bei Rasputin zu einer Klage durch ein Mitglied der Familie des Rasputin- Mörders Fürst Jussupoff. Der Fürst höchstselbst ließ die Produktionsfirma und das Uraufführungstheater durch einen Rechtsanwalt auffordern, „eine ihm angetan Beleidigung gutzumachen, weil er sich durch die Darstellung seiner Person im Film beleidigt fühlte. Als Verhandlungsgrundlage nannte er einen Betrag von fünfzigtausend Reichsmark.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rasputin_(1932)